Selbstbestimmte Geburt als Grundrecht? Ein Neubeginn.

Am 24. Februar 2014 habe ich eine Petition beim Deutschen Bundestag mit folgendem Kurztext eingereicht:

„Der Deutsche Bundestag möge beschließen:
Das Recht auf die selbstbestimmte Geburt mit der freien Wahl des Geburtsortes sowie einer Geburtsbegleitung im Schlüssel von 1:1 durch eine Bezugshebamme ist ein Grundrecht. Im Zusammenhang mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit schafft der Gesetzgeber den rechtlichen Rahmen zur Ausübung dieses Rechtes. Dazu gehört neben der Sicherung des Berufsstandes der Hebammen auch die Neuordnung des Vergütungssystems in der Geburtshilfe.“

Vor einem Jahr, am 20. Juni, habe ich dazu vor dem Petitionsausschuss des Bundestages öffentlich Stellung genommen (hier zu sehen ab Min. 60).

Nun gab es vor wenigen Tagen erneut Post aus dem Bundestag:

Das Petitionsverfahren wurde abgeschlossen. Soweit es um meine Forderungen zur Verbesserung der Datenlage geht, wurden diese in das Bundesgesundheitsministerium überwiesen. Den jeweils gesonderten Anträgen (Nein, kein gemeinsamer Antrag!) der GRUENEN und der LINKEN zur Überweisung in das Parlament wurde nicht gefolgt.

Lese ich die Begründung, dann findet sich darin eine Auflistung der gesetzlichen Maßnahmen der vergangenen Jahren, die uns aufzeigen soll: Es wurde alles getan, was der Bundesregierung – insbesondere dem Bundesgesundheitsministerium – möglich war, um die Situation der Hebammen zu verbessern. Ich könnte jetzt an jedem einzelnen Punkt ausführen, weshalb das ganz bestimmt nicht ausreicht, nicht weit genug geht – oder wo es noch immer hakt. Aber alles, was ich denken kann ist: WTF…. Hebammen?“
Ich bin keine Hebamme. Ich bin Frau. Ich bin Mutter. Und erneut geht es … um Hebammen? Hatte ich mich irgendwie undeutlich ausgedrückt (hier mein Eingangsstatement im Wortlaut zum Nachlesen)?

Aber damit noch nicht genug. Denn während man im Bundesgesundheitsministerium so fleißig war, sich die Hebammenverbände ihre Chancen selbst verbauen (dazu später mal mehr), der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen mit immer neuen Ideen „um die Ecke“ kommt (Auch dazu später mehr – viel aber schon hier), währenddessen also passiert das hier den Frauen. In deutschen Kliniken.

„Lag mehr als zwei Stunden im Kreißsaal allein. Klingel nicht in Reichweite. Rufen musste ich mehrere Male und dann unglaublich lange warten.
Nach dem sek Ks musste ich mich übergeben. Keine Klingel. Rufen wurde nicht gehört und so musste ich eine Stunde in meinem Erbrochenem liegen mit Baby auf dem Arm.“

„Nach der Sectio wurde ich knapp 4 Stunden vergessen. Ich hatte in den Händen gezittert und hatte meine Tochter im Arm, konnte mich nicht bewegen und der Knopf war zu weit weg. Mein Rufen hat entweder niemanden interessiert oder es hat niemand gehört.“

„Bereits im Januar hatte ein krankheitsbedingter Personalmangel dazu geführt, dass vorübergehend keine Risikoschwangeren in der Asklepios Klinik Sankt Augustin entbunden werden konnten. Klinik schloß vorzeitig im Februar dieses Jahres für immer, obwohl der Kreißsaal erst 6 Jahre alt war.“

„Frau muss wegen Kreißsaalüberfüllung im Ultraschallzimmer; eine andere Schwangere auf Station, gebären.“

„In einem großen Perinatalzentrum, Erstgebärende, Ehemann Kinderarzt, kam das Baby dann ohne jegliche Begleitung zur Welt. Hebamme war in mehreren anderen Sälen beschäftigt. Ehemann war heilfroh, dass er schon Erfahrung hatte.“

Weitere Erfahrungsberichte an dieser Wall of Shame. Gleichzeitig gibt es immer weniger Kliniken, an denen so etwas passieren kann. Denn die schließen reihenweise ihre Geburtenstationen. Allein 2016 kamen 21 weitere hinzu.
Tendenz: Steigend.

Es ist dringend an der Zeit, dass wir Frauen in Deutschland wieder das F-Wort benutzen. Und ich meine nicht „Fuck!“ – auch wenn das eine gute Situationsbeschreibung wäre. #Feminismus

Entschuldigt, ich geh‘ mal kurz meinen BH verbrennen.

(P.S. Den Song zum Titelbild von Bianca Kasting und Andersen Storm findet ihr hier.)

 

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