Guten Tag, wir sind unsere eigene Lobby

Zwei, nein drei Gründe, weshalb wir Frauen für uns selbst einstehen müssen*.

Grund 1: Der Deutsche Hebammenverband (DHV)
Grund 2: Der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD)
Grund 3: Der Deutsche Fachverband Hausgeburtshilfe (DFH)

So weit. So provokativ. Ich weiß. Aber wer hier weiterlesen möchte, muss wissen, dass der folgende Beitrag lang wird. Richtig lang. Und, dass man das wirklich alles lesen m u s s, um es zu verstehen. Und, dass hinterher trotzdem noch viele Fragen offen bleiben.

Da hast du keine Lust drauf? Ok! Dann merk‘ dir einfach so, dass du dein Hirn nicht an der Kreißsaaltür abgeben darfst und jederzeit selbstbestimmt jedem Eingriff (Ja, jede Spritze, Zugang, Tablette etc. sind ein Eingriff!) zustimmen oder ihn auch ablehnen kannst. Fertig. Ach so, und noch etwas: Bei den kommenden Bundestagswahlen solltest du in deine Entscheidung mit einbeziehen, ob sich die Partei deiner Wahl für den Erhalt einer wohnortnahen Geburtshilfe und die freie Wahl des Geburtsortes einsetzt. Das kannst du in den Wahlprogrammen nachlesen, in den Wahlprüfsteinen des „Netzwerks der Elterninitiativen für Geburtskultur“ oder hier sogar Fragen stellen.

Du hast Lust auf lange Texte? Dann bitte hier entlang:

Aktuell verhandeln die gesetzlichen Krankenkassen (vertreten durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen / GKV-SV) und die Hebammenverbände um die Vergütung der freiberuflichen Hebammen in der Geburtshilfe.

Davon konnte man allerhand lesen (hier, hier oder auch hier und hier – eine lose Auswahl ohne Wertung)

Es geht also um die Vergütung der Beleghebammen. Das sind diejenigen, die die Frauen zur Geburt in die Klinik begleiten oder aber in Eigenregie selbständig/freiberuflich mit mehreren Kolleginnen einen Kreißsaal, der einem Krankenhaus angeschlossen ist, betreiben.

Kommt es nun so, wie es der GKV-SV will, dann sind diese sogenannten Belegkreißsäle in Gefahr. In Bayern kommen nach Angaben des Bayerischen Hebammenverbandes aus 2014 etwa 60 % der Kinder (2014 > 57.321) in solchen Einrichtungen zur Welt. Und nicht nur dort gibt es solche Häuser.

Mit der Umsetzung der neuen Vergütungsregeln wäre die Arbeit für die Hebammen dort nicht mehr lukrativ genug. Moment, lukrativ – und Hebamme – geht das? Na klar! Diese Belegkreißsäle sind bisher vor allem eines: Eine win-win-Situation für Kliniken und Hebammen. Denn Kliniken, in denen sich die Geburtshilfe nicht mehr betriebswirtschaftlich rechnen lässt, lagern ihre Kreißsäle gerne „im Auftrag“ an freiberufliche Hebammen aus. Die organisieren sich dort selbst in Schichten und können, indem sie mehrere Leistungen zeitgleich abrechnen, auch ein gutes Einkommen erwirtschaften. Doch was für die Hebammen gut ist, bedeutet für die Frauen, dass sie in der Regel keine 1:1-Betreuung erhalten, wie ansonsten in der Beleggeburtshilfe. Wenn überhaupt, ist dann von einer 1:1-Begleitung nur in bestimmten Phasen der Geburt die Rede. Zahlreiche Hebammen finden das übrigens völlig ausreichend, auch wenn die Studienlage zur durchgehenden 1:1-Betreuung eindeutig ist und diese als Goldstandard der Geburtshilfe definiert.

Oft bedeutet Beleghebamme im Schichtsystem jedoch auch nicht mehr (oder weniger) als, dass die gleichzeitige Betreuung mehrerer Gebärender eher die Regel denn die Ausnahme ist. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) spricht sich für den Erhalt dieses Systems aus. Was nicht verwunderlich ist, da doch ein nicht geringer Anteil seiner freiberuflich in der Geburtshilfe arbeitenden Mitglieder in diesem System organisiert ist. Ein Berufsverband tut, was ein Berufsverband tun muss: Die Interessen seiner Mitgliedsfrauen vertreten. Ob das gut oder schlecht erfolgt – dazu möchte ich mir (an dieser Stelle) kein Urteil erlauben. Für uns Frauen in der Geburtshilfe aber bedeutet es: Der DHV unterstützt und fördert ein System, das nicht zur 1:1-Betreuung führt. Im Hinblick auf die große Zahl u.U. betroffener Kreißsäle in Bayern (etwa 60) könnte man nun anführen, dass sich der DHV dann aber mindestens für den Erhalt der flächendeckenden Geburtshilfe einsetzt. Ja, aber … nein. Es geht einzig und allein um das Vergütungsmodell. Ohne Doppel- und Dreifachabrechnungen? Kein Interesse!

Und jetzt kommt die andere Seite der Medaille ins Spiel: Es geht um die Hebammen, die uns Frauen 1:1 im Beleg mit einer Vertragsklinik begleiten. Die sind vielfach im Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. organisiert. Diesen Verein gibt es eigentlich nur, weil sich diese Gruppe der Hebammen durch den DHV schlecht vertreten gefühlt haben. Verübeln kann man ihr das nicht. Erklären will ich das an unserem Beispiel der verschiedenen Belegsysteme.
Kreißsäle, die im Beleg und Schichtsystem von freiberuflichen Hebammen geführt werden, kosten die Krankenkassen nämlich mehr Geld, als jene, die durch die Kliniken selbst vorgehalten werden müssen. Aus Sicht der gesetzlichen Kassen ein Unding! Schließlich sollen „unwirtschaftlich“ geführte Häuser ihre Geburtshilfe einstellen und nicht an andere Dienstleister auslagern. Diese anderen Dienstleister sind die freiberuflichen Hebammen mit Mehrfachabrechnungen. Und gerade diese – im Vergleich – gut verdienenden Kolleginnen ziehen die Kassen immer dann heran, wenn es um die Verhandlungen zur Vergütung der freiberuflichen Hebammen geht. Eine solche Rechnung des GKV-SV konnte man beispielhaft in einer öffentlichen Anhörung im Bundestag zur Situation der Hebammen im März 2015 erleben. (Obwohl das Dokument insgesamt in vielfacher Hinsicht aufschlussreich ist, empfehle ich hier auf Seite 13 den Ausführungen von Frau Maßing zu folgen)

Für die freiberuflichen Hebammen, die als Begleitung der Frauen im Beleg arbeiten und oft im BfHD organisiert sind (etwa 1.000 Mitgliedsfrauen), sind derlei Musterrechnungen der Supergau. Denn sie können keine Mehrfachabrechnungen vornehmen. Sie dürfen es auch gar nicht. Gleichzeitig dienen diese Rechenbeispiele aber als Begründung dafür, dass Beleghebammen in der Geburtshilfe durchaus gut verdienen (wenn sie denn Vollzeit arbeiten) und sich deshalb auch eine teure Berufshaftpflicht leisten können. Damit war über eine lange Zeit den Verhandlungen über eine Verbesserung der Vergütung mit den Kassen die Grundlage entzogen. Erschwerend kam hinzu, dass die Kassen durchaus die ansteigenden Haftpflichtkosten eingepreist hatten. Dies jedoch in Form von Zuschlägen auf Leistungen, die auch Hebammen zu Gute kamen, die gar nicht freiberuflich in der Geburtshilfe arbeiten und von dem Kostenanstieg an dieser Stelle gar nicht betroffen waren. Der Deutsche Hebammenverband konnte dies seinen Mitgliedsfrauen als Verhandlungserfolg verkaufen. Folglich war die Enttäuschung – und der Einschnitt – groß, als plötzlich der Sicherstellungszuschlag Einzug hielt und nun nur noch den Belegerinnen zu Gute kam.

Die jetzt vom GKV-SV gewünschten Einschnitte, die er „geschickt“ unter dem Label 1:1-Betreuung zu verkaufen sucht, sind nun im Umkehrschluss wiederum für die vom DHV (etwa 19.500 Mitgliedsfrauen – davon nur ein Teil in der freiberuflichen Geburtshilfe) vertretenen Schichtbelegerinnen ein Supergau. Dass die Kassen zwar von Qualität reden, aber Einsparung meinen (Wir erinnern uns: weiter oben steht beschrieben, dass so ein Belegkreißsaal teurer ist, als jener, der von einer Klinik unterhalten wird.), das versteht sich von selbst. So lange eine 1:1-Betreuung hier nicht gesetzlich vorgeschrieben ist (Hallo, Herr Gröhe!), wird weder eine tarifliche Vereinbarung, noch eine Verhandlung zwischen Kassen und Hebammenverbänden diese auch bringen. Das Dilemma der aktuellen Verhandlungen jedoch ist perfekt. Die Begleit-Belegerinnen müssten ein paar Kröten schlucken, könnten aber (endlich!) eine deutliche Honorarerhöhung erzielen. Die Schicht-Belegerinnen werden Einbußen haben, was dazu führen kann, dass sich der von ihnen unterhaltene Kreißsaal nicht mehr lohnt. Folgerichtig, geht nun der BfHD auf die Forderungen der Kassen ein, denn der Verein vertritt hauptsächlich die Begleitbelegerinnen. Ebenso folgerichtig, stemmt sich der DHV gegen diese Maßnahmen, denn einmal mehr werden die eigenen Mitgliedsfrauen Einschnitte erleben.

Fazit: Wenn ihr bis hierher durchgehalten habt, seid ihr großartig! Und was habt ihr festgestellt? Es ging um Geld. Und zwar ausschließlich. Es geht nicht um uns Frauen. Nicht um die Kinder. Es geht um Geld und Arbeitsbedingungen. Und das ist gut so! Es sind ja H e b a m m e n verbände. Die dürfen das!

Was sie nicht dürfen, ist, uns Frauen und unsere Kinder und Männer als Faustpfand zu benutzen. Wenn man über Jahre als Verband zuschaut, wie Kliniken gezielt die Geburtshilfe an Freiberuflerinnen auslagern – wohl wissend, dass es sich um eine von den Kassen unerwünschte Grauzone handelt; ein kleines Bächlein, das eines Tages unweigerlich trocken gelegt wird (Es klingt im Übrigen in dem hier verlinkten Protokoll seitens des GKV-SV leise an – 2015!). Dann darf ich mich nicht, wenn es soweit ist, hinter der Versorgungssicherheit verstecken. Ein Kreißsaal, in dem eine Hebamme zwischen 3 und 5 Frauen gleichzeitig betreut, ist auch nicht wirklich sicher (just my two cents).

Also?  Wir Frauen sind es, die dieses Problem lösen können – und müssen. Wir Frauen, die Väter unserer Kinder, ihr Großeltern, ihre Onkel und Tanten. W i r müssen nicht für eine bessere Vergütung unserer Hebammen auf den Tisch hauen, sondern dafür, dass wir das einklagbare R e c h t auf eine Hebamme während aller Phasen der Geburt an dem von uns gewählten Ort und in dem von uns gewählten Modus haben. W i r brauchen das einklagbare R e c h t auf eine wohnortnahe Versorgung. W i r brauchen das einklagbare R e c h t auf eine sichere Geburt entsprechend höchster Standards. Übrigens sind natürlich auch Hebammen Mütter, Großeltern, Tanten oder sonstige Verwandte. Genau deshalb finden sich eben auch viele von ihnen unter dem Dach des „Netzwerks der Elterninitiativen für Geburtskultur“. Nach wie vor jedoch glauben Politiker (und auch die Verbände selbst wollen es glauben machen), dass die Hebammen die Anwältinnen der Frauen sind. Wir aber sollten mit diesen „Pflichtverteidigerinnen“ nicht einverstanden sein und uns selbst vertreten.
Das System ist kurz vor dem Kollabieren. Wenn wir jetzt nichts erreichen, dann wird „es Tote geben“, so wie die Hebamme Sabine Schmuck schon 2014 in einer öffentlichen Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestags gesagt hat. Die nächste Bundestagswahl ist nah. Seid Stimme, nicht Echo!

P.S. Hm… naja… das kling mir alles zu theoretisch. Was mache ich denn, wenn ich in Bayern lebe und mein Kreißsaal demnächst geschlossen werden soll? Dann bist du zunächst einmal in schlechter Gesellschaft. Dieses Phänomen findet sich deutschlandweit. Da sich in vielen Bereichen eine bessere Qualität tatsächlich auch über die Behandlungsmenge erreichen lässt, sind weitere Zentralisierungen /Spezialisierungen angedacht. Leider betrifft dies auch die gynäkologischen Abteilungen, zum Beispiel bei Operationen verschiedener Tumore. Muss eine Gynäkologie dicht machen, wird es in der Praxis auch keine geburtshilfliche Abteilung mehr geben. Es reicht also nicht, für den Erhalt des nächstgelegenen Kreißsaals zu demonstrieren. Du musst für die freie Wahl des Geburtsortes und die 1:1-Betreuung durch eine (am besten die gleiche) Hebamme auf die Straße gehen. Klingt ähnlich – ist aber ein großer Unterschied. Denn nur so können du im Süden und ich im Norden mit einer Stimme sprechen und das verleiht uns allen mehr Gewicht. Ein ganz praktischer Tipp wäre dieser: Gründet Geburtshäuser! Dazu aber mehr bei nächster Gelegenheit.
—————————————————————————————————–
Ihr wollt mehr über die Verhandlungen durch die Hebammenverbände lesen?   Hier findet ihr die Newlsetter der beiden Verhandlungspartner. Eine spannende und lehrreiche Lektüre: 

Am 5. Juli nach der letzten Schiedsverhandlung meldet der DHV:

BfHD paktiert mit den Krankenkassen. 
Der heutige Verhandlungstag der Schiedsstelle ist ebenfalls ohne nennenswertes Ergebnis zu Ende gegangen. Jedoch haben die Krankenkassen und der BfHD sich überraschend auf die Einreichung eines gemeinsamen Antrages zur Erhöhung der Hebammenvergütung geeinigt. 
Die konkreten Inhalte dieses Antrages sollen innerhalb der nächsten Woche schriftlich der Schiedsstelle vorgelegt werden.

Nach dem Verhandlungsverlauf hat der DHV die berechtigte Befürchtung, dass der gemeinsame Antrag von BfHD und Krankenkassen mit der vorgesehenen Vergütungssteigerung signifikant hinter der Forderung des DHV zurückstehen wird und damit die Möglichkeit zur Festsetzung einer tatsächlich angemessenen Vergütung versperrt wird. Diese Vergütungshöhe soll bis zum Jahr 2020 beibehalten werden. Sorge hat der DHV auch um die Regelungen zum bisher bewährten Beleghebammensystem. Trotz großer Kompromissbereitschaft des DHV konnte keine Entscheidung zugunsten einer aus unserer Sicht angemessenen Finanzierung der Hebammenhilfe, insbesondere im Bereich der Wochenbettbetreuung, erreicht werden.

Der BfHD antwortet:

Newsticker 05. Juli 2017
Schiedsstelle: BfHD beantragt Erhöhung um 17 Prozent über alle Leistungen

Um 17 % sollen die Hebammengebühren über alle Positionen erhöht werden. Über einen entsprechenden Antrag des Bundes freiberuflicher Hebamme Deutschlands e.V. (BfHD) wird die Schiedsstelle gemäß Paragraph 134a Absatz 4 SGB V kurzfristig entscheiden.

BfHD-Vorsitzende Reinhild Bohlmann erklärte dazu:

„Wir sind angesichts des Verhandlungsverlauf am heutigen zweiten Verhandlungstag optimistisch, dass unserem Antrag im Umlaufverfahren, das heißt, ohne dass eine erneute mündliche Verhandlung erforderlich ist, von den Vertragsparteien mehrheitlich zugestimmt und ein entsprechender Schiedsspruch erlassen wird. Von unserer ursprünglichen Forderung, einer Erhöhung um 20 %, würde demzufolge nur im geringen Umfang abgewichen“.
…dies ist der Newsticker, den wir eigentlich unseren Mitgliedern einen Tag nach der Schiedsstelle zur Verfügung stellen wollten. Allerdings mussten wir die Verlautbarungen des DHV, sowie des bayrischen Hebammenverbandes zur Kenntnis nehmen. Dazu möchten wir ergänzen:

Im BfHD sind freiberufliche Hebammen jeglicher Art vertreten. Wir haben uns zwar auf die Fahnen geschrieben, vor allem die außerklinisch tätigen freiberuflichen Hebammen zu unterstützen, aber wir haben auch klinisch tätige Hebammen im Verband. Sei es, dass sie sich für eine Zeit, oder dauerhaft anders betätigen, oder dauerhaft in Abkehr von den Verpflichtungen der außerklinischen Freiberuflichkeit arbeiten. Der BfHD steht aber für pragmatische Lösungen, die allen Hebammen zugutekommen. Der GKV und die Hebammenverbände sind Vertragsparteien gem. § 134 a SGBV und sind verpflichtet entweder zu paktieren, d.h. Verträge zu schließen, oder bei einem Dissens die Schiedsstelle anzurufen. Diese kann dann jedoch auch nicht frei nach Gusto entscheiden, sondern ist an die Vorgaben des SGB V gebunden.

Um eine Entscheidung herbei zu führen braucht es valider Daten. Wenn solche, aus der Sicht der Unparteiischen der Schiedsstelle, noch nicht vorhanden sind, kann lediglich ein Gutachten helfen. Dabei müssen sich die Krankenkassen und die Hebammenverbände auf einen Gutachter einigen, dem Gutachter konsentierte Fragen stellen und das Ergebnis des Gutachtens gleich auslegen. Ein solches Gutachten kann Jahre dauern mit der Konsequenz, dass es bis dahin zu keiner Einigung kommen kann. → Wir glauben nicht, dass die einzelne Hebamme so einen langen Atem hat.

Wir haben den Rechtsansichten der Schiedsstelle genau zugehört, uns an den Machbarkeiten orientiert und die Grenzen des GKV eruiert. Letztlich braucht es den Mut sich gegen die Auffassung des marktbestimmenden Mitbewerbers zu positionieren, wenn dessen Vorstellungen aus unserer Sicht nicht durchsetzbar sind. → Wünsche haben wir natürlich auch, aber es stellt sich immer wieder die Frage, ob diese zu realisieren sind, oder ob man damit gegen Windmühlen ankämpft.

Bei Verhandlungen kann es doch nur darauf ankommen, heraus zu finden, wo die Grenzen der Verhandlungsparteien sind und zu eruieren, ob die Unparteiischen der Schiedsstelle darüber hinausgehen würden, oder nicht.

Wenn der Vorschlag einer anderen Struktur bei den Unparteiischen der Schiedsstelle nicht auf Zustimmung stößt, muss man -aus unserer Sicht- den Vorschlag als, im Moment, nicht tauglich zurückziehen und ihn ggf. bei den nächsten Verhandlungen einbringen.

Die 17 % ige Erhöhung zu verhandeln war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben die Parameter der Machbarkeit voll umfänglich ausgeschöpft. Mehr war aus unserer Sicht nicht möglich, trotz Protesten von Schwangeren, Eltern und Hebammen. Natürlich wäre es schön, wenn die Verbände an einem Strang ziehen würden, denn alles andere schwächt uns. Allerdings braucht es viel Idealismus und Kraft, um seine eigene Meinung vertreten zu können und es ist immer schwer sich würdevoll gegen Anwürfe aus den eigenen Reihen zur Wehr zu setzen.

Wir hoffen, es ist uns bei diesem Statement gelungen.

Brief vom Bayerischen Hebammenverband/Deutscher Hebammenverband an die Hebammen des BfHD 21. Juli

Liebe Kolleginnen,

diese Mail richtet sich in erster Linie an alle Hebammen, die Mitglied im BfHD sind. Wir rufen Sie auf, sich für den Erhalt des Systems der Beleghebammen einzusetzen, indem Sie dem Vorstand des BfHD signalisieren, dass Sie mit dem vorliegenden Vertragsentwurf nicht einverstanden sind und auf eine Rücknahme bzgl. der Regelungen des Belegsystems bestehen.
Wir möchten dazu einige Erklärungen vorausschicken, weil wir glauben, dass die Entscheidungsträgerinnen im BfHD Partikularinteressen vertreten und kein Interesse am Erhalt des Belegsystems haben. Damit stellt sich die politische Berufsvertretung bewusst gegen eine Hebammengruppe und verlässt damit das Solidarsystem.
Die Verhandlungen zur Vergütungsvereinbarung zwischen dem GKV SV und dem DHV sind in der Schiedsstelle gescheitert, weil die Kluft zwischen den Forderungen des DHV und dem, was der GKV SV bereit ist zu tun, zu groß ist. Der GKV, der die Abrechnungsmöglichkeiten der Belegerinnen aus Kostengründen massiv einschränken will, nutzte diese Situation und schrieb mit dem BfHD einen Vertragsentwurf, in dem diese Einschränkungen formuliert sind. Dieser Vertragsentwurf wird in den nächsten Wochen in der Schiedsstelle entschieden und auf Grund der Mehrheitsverhältnisse ist davon auszugehen, dass er positiv beschieden wird. Der BfHD vertritt ausschließlich die Interessen der Hebammen, die in der außerklinischen Geburtshilfe tätig sind. In der außerklinischen Geburtshilfe ist eine 1:1 Betreuung üblich und das ist selbstverständlich gut so. Das wird zwar im Vertragsentwurf abgebildet, allerdings wird die 1:1 Betreuung in der Klinik gegenüber der Geburtshaus- und Hausgeburt viel zu gering honoriert.
Da es nicht möglich ist in diesem Brief auf alle relevanten Vertragsdetails einzugehen, sind hier die strittigsten Regelungen:
• Es wird unterschieden zwischen Beleghebammen im Schichtsystem und Beleghebammen im Begleitsystem
• Für eine Schichtbelegerin soll die Vergütung für eine Geburt deutlich weniger betragen als bisher, dafür umfasst die Geburt den Zeitrahmen von einer Stunde vor, bis drei Stunden nach der Geburt. Eine Schichthebamme kann maximal zwei Leistungen parallel abrechnen. Es gibt nur eine Ausnahme, nämlich wenn sie eine Hebamme aus der Bereitschaft zum Dienst ruft, kann die Hebamme gegen Begründung eine Stunde lang drei Leistungen abrechnen. Eine Vergütung für Bereitschaft ist nicht vorgesehen.
• Für eine Begleitbelegerin soll die Vergütung für eine Geburt deutlich weniger betragen als bisher für eine 1:1 Betreuung. Die Geburt umfasst den Zeitrahmen von einer Stunde vor, bis drei Stunden nach der Geburt. Eine zweite Leistung kann nicht parallel abgerechnet werden. Es muss vor der 38. SSW ein Behandlungsvertrag mit der Frau geschlossen worden sein. Sollte die Hebamme, die den Behandlungsvertrag geschlossen hat, die Geburt nicht begleiten können, kann nur eine im Behandlungsvertrag namentlich benannte Hebamme, die 1:1 Geburt übernehmen. Eine Vergütung für Bereitschaft ist nicht vorgesehen.
• Für die meisten anderen Positionen ist eine Vergütungserhöhung von ca. 17% vorgesehen. Das mag auf den ersten Blick viel anmuten, jedoch müssen Sie beachten, dass der Vertrag bis 2020 festgeschrieben werden soll. Wenn Sie dann noch bedenken, dass unsere letzte Erhöhung 2013 war, dienen die 17% gerade einmal für den Inflationsausgleich. Und das bei massiver Einschränkung der Beleghebammen!

Das wäre ein wirklich guter und kostensparender Abschluss für die Krankenkassen.
Jedoch nicht für uns Hebammen!
Für alle, die mit der Historie der Beleghebammen in Bayern nicht vertraut sind, hier ein Exkurs zur Erklärung:
In Bayern gab es traditionell immer schon viele Kliniken, in denen die Hebammen im Beleg-system gearbeitet haben. Direkt nach dem Wandel der Hausgeburt zur Klinikgeburt in den 60ziger Jahren, die fand in der Regel in Form der 1:1 Betreuung statt, die der GKV SV dem Namen Begleitgeburt gegeben hat. Dies war darin begründet, dass ein System mit ange-stellten Hebammen von Seiten der Klinikleitung bei geringer Geburtenzahl nicht finanzierbar war. Mit ansteigenden Geburtenzahlen und höheren Anforderungen an die strukturelle Qualität haben viele Begleithebammen einen Schichtdienst eingerichtet, um diesen Anforderungen gerecht werden zu können. (Astrid Giesen: Ich selbst habe diesen Strukturwandel im Jahr 1988 in Regensburg miterlebt) Einige Kliniken konnten durch ein gutes Management in der Geburtshilfe die Geburten so steigern, dass die Hebammen im Belegsystem im Schichtdienst durch die Möglichkeit, parallel abzurechnen, ein gutes Einkommen erwirtschaften. Viele Beleghebammen leisten jedoch bis heute in kleinen geburtshilflichen Abteilungen einen hohen Einsatz bei geringem Verdienst.
In den vergangenen Jahren haben immer mehr Kliniken, die Hebammen ins Belegsystem überführt. Zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen von Seiten der Verwaltung, zum Teil auf Wunsch der Hebammen, weil sie nicht länger bereit waren, die Gewinnmaximierungsbestre-bungen von Seiten der Kliniken auf Kosten der Hebammen mit zu tragen. So ist es dazu ge-kommen, dass immer mehr große Abteilungen mit Beleghebammen arbeiten, die im Schicht-dienst organsiert sind und ein gutes Einkommen haben. Leider ist es schwierig, unser Vergü-tungssystem gerecht zu gestalten und es gibt auch bei den Hebammen in Bayern eine Kluft im Verdienst.
Unser aller Ziel ist es die Qualität der Betreuung der Familien zu optimieren. Unstrittig ist dabei auch, dass der Weg dahin nicht zuletzt im Betreuungsschlüssel liegt. Aber der Weg, den der GKV SV nun geht, in dem er den Beleghebammen im Schichtdienst die Abrechnung von mehr als zwei Leistungen parallel verbietet, und den Begleithebammen eine spontane Ablösung durch eine Kollegin verwehrt, geht auf Kosten der Beleghebammen, vor allem derjenigen, die in Krankenhäusern mit einer Geburtenzahl unter 1000 Geburten im Jahr arbeiten. Dabei möchten wir betonen, dass es auch Abteilungen mit einer größeren Geburtenzahl durch den Einsatz von Bereitschaftszeiten der Hebammen gelingt, einen guten Betreuungsschlüssel sicher zu stellen. (Astrid Giesen: Ich selber habe fast 20 Jahre in so einem Team gearbeitet)
Der GKV SV und der BfHD machen mit ihren Forderungen den zweiten Schritt vor dem ersten. Wenn Ihnen wirklich an der Verbesserung der Qualität gelegen wäre, würden sie erst die Rahmenbedingungen der Hebammen so gestalten, dass die Hebammen das auch leisten können und hätten den Begleithebammen eine Ablösung bei 1:1 Betreuung gewährt.
Es ist dem BHLV gelungen, die Problematik im Gesundheitsministerium Ministerin Huml verständlich zu machen, so dass sie sich an alle relevanten Akteure und Minister Gröhe gewandt hat, und um den Erhalt des Belegsystems gebeten hat. Aber was hilft die ganze politische Arbeit der vergangenen Jahre, wenn der Dolch aus den eigenen Reihen der Hebammenschafft kommt.
Ja, wir wissen, dass es Beleghebammen im Schichtdienst gibt, denen am Ende eines Dienstes der Punktwert wichtiger ist, als die Qualität der Betreuung der Familien. Aber das ist die Minderheit der Kolleginnen. Diejenigen, die in kleinen Abteilungen arbeiten und nur überleben können, weil sie die Zeiten, in denen keine Frau im Kreißsaal ist, mit Zeiten, in denen sie drei Hilfeleistungen abrechnen können, ausgleichen, sind nun die Opfer. Wenn der Vertrag, den der GKV SV zusammen mit dem BfHD geschrieben hat, umgesetzt wird, wird diesen Kolleginnen die berufliche Existenz entzogen.
In Bayern steht aber nicht nur die Existenz vieler Kolleginnen auf dem Spiel. Alle, die in den letzten Jahren erlebt haben, was passiert ist, wenn kleine Abteilungen ohne Planung ihre geburtshilflichen Türen geschlossen haben, können sich vorstellen, was dann passieren wird. Die großen Geburtszentren können die Geburten nicht mehr auffangen. In München werden jetzt schon täglich Frauen abgewiesen und in andere Krankenhäuser verlegt, weil die Wunschklinik keine Kapazitäten mehr hat. Wir mögen uns nicht vorstellen, was dann passiert.
Wir sehen nur eine Chance, dieses Scenario zu verhindern. Die Vorstandsfrauen des BfHD müssen ihre Forderung nach der 1:2 Betreuung der Schichthebamme wieder aus dem Ver-tragsentwurf herausnehmen. Das werden sie nur tun, wenn ihre Mitglieder das von Ihnen for-dern. Deswegen bitten wir Sie, schauen Sie sich an, was der GKV SV fordert und überlegen Sie gut, ob Sie das mittragen können.
Der GKV will nicht die Qualität erhöhen, sonst würde er den besseren Betreuungsschlüssel auch in den Kliniken mit angestellten Kolleginnen einführen. Aber in diesem Fall müsste er für die Kosten aufkommen. Hier ein Link auf die Internetseite des GKV SV. Wenn Sie den Ar¬tikel aufmerksam lesen, können Sie die Interessen des GKV erahnen
(https://gkv-spitzenver-band.de/gkv_spitzenverband/presse/fokus/hebammenverguetung/thema_hebammen.jsp).
Womöglich erinnern sich auch einige von Ihnen an das NDR Interview 2015 mit der Presse-sprecherin des GKV, in dem sie die Einschränkung der freien Berufsausübung von Hebam¬men rechtfertigte und sich gut vorstellen konnte, dass in Zukunft angestellte Klinikhebammen Leistungen erbringen sollen, die derzeit freiberufliche Hebammen leisten.
Wir erreichen nicht alle Mitglieder des BfHD, weil wir sie nicht kennen und nicht über deren Adressen verfügen. Wir können über unseren Verteiler nur die Kolleginnen ansprechen, die auch im BHLV Mitglied sind. Wir bitten Sie, dieses Plädoyer an die Kolleginnen zu schicken, die ausschließlich im BfHD organisiert sind. Wir werden auch an deren bayerische Vertrete¬rin Ina Rieder heran treten.
Wir sollten uns gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen unseres Berufsstandes einset-zen und nicht die eine Hebammentätigkeit gegen eine andere ausspielen.
Wir stehen gerne für Rückfragen zur Verfügung.
Vielen Dank und herzliche Grüße.

Astrid Giesen vs@bhlv.de und Susanne Weyherter weyherter@bhlv.de

Antwort der Hebammen des BfHD

Mit dem Newsticker vom 05.07.2107 hatten wir über den Stand der Verhandlungen in der Schiedsstelle gemäß § 134a Absatz 4 SGB V berichtet.

Unser hart erkämpfter Antrag, mehr gegen als mit dem GKV, hat eine lineare Erhöhung von 17 % und eine Veränderung im Beleggeburtensystem gebracht.

Wir haben die Erhöhung ab dem 15. Juli 2017 beantragt. Bitte deshalb nur Rechnungen bis zum 14.7.2017 einreichen.

Anfragen haben daraufhin die Geschäftsstelle des BfHD und den Vorstand erreicht. Viele von Euch haben Aufforderungen des Bayerischen Hebammenlandesverbandes bekommen, unseren Antrag zurück zu ziehen. Ebenso sind aktuelle Diskussionen in sozialen Netzwerken und einschlägigen Internet-Foren in Gang gekommen. Dazu nehmen wir wie folgt Stellung:

Schiedsstelle: Einige Klarstellungen – unter anderem:

Kein Pakt mit dem Teufel!

Warum macht der BfHD mit dem GKV-Spitzenverband „gemeinsame Sache“? – Haben wir paktiert? Nein, denn ein Pakt ist grundsätzlich etwas Negatives. Ein Ergebnis finden, das ist allerdings Sinn und Zweck einer Schiedsstelle.

Klar war hoffentlich allen Vertretern und Vertreterinnen der Hebammenverbände: Alle freiberuflichen Hebammen (und nur um deren Belange geht es in dieser Schiedsstelle) müssen dringend und unverzüglich mehr Geld für ihre Arbeit bekommen.

Mit denjenigen zu verhandeln, die uns bezahlen, sollte im Interesse aller Beteiligten sein. Im Übrigen stehen wir deutlich zu unseren Forderungen und gehen nicht auf Kuschelkurs mit wem auch immer. Unser Anliegen war und ist auch in Zukunft, dass die freiberuflichen Hebammen besser als bisher bezahlt werden, Beleggeburten im eigentlichen Sinne mit einer vertrauten Hebamme sollen wieder möglich ein, die Betreuung der Familien in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett eine gute Qualität haben und die Hebamme ein auskömmliches Einkommen erwirtschaften.

Keine Gewinnmaximierung auf Kosten der Frauen!

Seit vielen Jahren ist das Hauptargument vieler Kolleginnen, warum sie keine Beleggeburten mehr anbieten, dass sie sich extrem schlecht bezahlt fühlen: „Egal, wie lange es dauert, ich bekomme immer viel zu wenig!“ – Dies ist, zu recht, in vielen sozialen Netzwerken zu lesen und bringt damit auch Druck in die öffentliche Wahrnehmung, beispielsweise Motherhood, Aktionen am 5. Mai, etc.

Frauen und Familien wollen und sollen gut betreut werden, die persönliche und individuelle Betreuung unter der Geburt war und ist einer der Beweggründe für die Gründung und die Existenz unseres Verbandes und leitet sich aus der Satzung des BfHD ab.

Somit ist die 1:1-Betreuung unser satzungsgemäßes Anliegen, und sie war damit auch Teil unserer Forderungen, mit denen wir in die Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband gezogen sind. Dass uns dies jetzt zum Vorwurf gemacht wird, ist unfair.

Dass der GKV-Spitzenverband nicht alle Forderungen erfüllen kann, ist Teil des Verhandlungsprozesses und wird vom BfHD ebenfalls bedauert.

Unterm Strich, vorbehaltlich der Entscheidung der Schiedsstelle, wird in Zukunft unterschieden nach Beleggeburt mit „mitgebrachter“ Hebamme und der Beleggeburt im Schichtdienst. Damit wird den unterschiedlichen Arbeits- und Betreuungsmodellen und den damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten Rechnung getragen.

Damit eine Beleghebamme mit den Beleggeburten Geld verdienen kann, und ihre Frauen dabei so betreut, wie es sich eigentlich alle wünschen (sollten), haben wir gefordert, dass die Betreuungszeit, die pauschal abgegolten wird, deutlich verkürzt werden muss. Statt bisher pauschal 11 Stunden (8 Stunden vor und 3 Stunden nach der Geburt) mit rund 272 € zu vergüten, verkürzt sich der Zeitraum auf eine Stunde vor und drei Stunden nach der Geburt. Die gesamte Zeit davor (im Beispiel 7 Stunden, um auf die gleiche Zeit zu kommen), wird nach Hilfe bei Beschwerden abgerechnet.

Natürlich ist eine Kollegin im Schichtdienst, die als freiberufliche Hebamme „quasi-angestellt“ arbeitet, eine andere Abrechnungsweise gewöhnt. Jetzt liegt es, wenn es zu der beantragten Entscheidung der Schiedsstelle kommt, an den Kolleginnen, ihre Dienste anders zu gestalten, damit nicht mehr als zwei Frauen unter der Geburt (eine Stunde vor und drei Stunden danach!) von einer Kollegin alleine betreut werden. Hier sagen wir als Berufsverband für freiberufliche Geburtshilfe ganz deutlich: Gewinnmaximierung auf Kosten der Frauen (Betreuungsqualität) und der Allgemeinheit ist nicht unser Ziel, und die gesetzlichen Krankenkassen schauen seit einiger Zeit bei derartigen Verdachtsmomenten besonders genau hin.

Im Ergebnis werden Beleggeburten in Zukunft deutlich besser bezahlt, falls es zu der jetzt beantragten Entscheidung der Schiedsstelle kommt. Die von einigen aufgeworfene Frage „und wie rechne ich das Telefonat mit meiner Schwangeren in der Zeit ab?“ beantworten wir ganz klar mit: Bei einer telefonischen Beratung muss keine Uhrzeit angegeben werden. Damit gibt es also kein Problem.

Auch der DHV hat sich in seiner Öffentlichkeitsarbeit immer wieder auf die Seite der Schwangeren gestellt und fordert eine bessere Betreuungssituation bei den Geburten. Ob dies nur Lippenbekenntnisse und es ihm nicht in erster Linie um die Wahrung von gut eingespielten Arbeits- und Abrechnungssystem geht, müssen dessen Mitgliedsfrauen beantworten. Es darf vor diesem Hintergrund aber die Frage erlaubt sein, ob eine durch den DHV vor den anstehenden Präsidiumswahlen mehrfach ins Spiel gebrachte Erhöhung von mehreren hundert Prozent nicht den Eindruck erweckt, entweder den Sinn für die Realitäten verloren zu haben oder die Schiedsstellenentscheidung bis zu einem bestimmten Zeitpunkt im Herbst aus taktischen Gründen damit verzögern zu wollen oder gar beides der Fall ist.

Keine Schlammschlacht!

Zuletzt erlauben wir uns noch zu den in einschlägigen Foren und sozialen Medien gemachten Vorwürfen gegenüber dem BfHD im Allgemeinen und dessen Vorstands- und Funktionsträgerinnen im Besonderen Stellung zu nehmen: Der BfHD war schon immer ein streitbarer Verein, der intern mit seinen Mitgliedsfrauen, wie auch mit externen Personen, Organisationen und Stellen die kontroverse, von Sachlichkeit getragene ergebnisorientierte Auseinandersetzung schätzt und diese auch nicht zu führen scheut. Aufgrund des Beratungsgeheimnisses, dem alle Beteiligten des Schiedsstellenverfahrens unterliegen, ist es uns aber in der Öffentlichkeit nicht möglich, detailliert zum Verlauf der Schiedsstellenverhandlung Stellung zu beziehen. Zudem werden wir uns nicht an einer Schlammschlacht im Internet beteiligen und müssen uns deswegen mit öffentlichen Repliken auf zum Teil unsachliche und falsche Darstellungen in Zurückhaltung üben. Wenn es jedoch geboten erscheint, werden wir gegen beleidigende Äußerungen und unwahre Tatsachenbehauptungen uns mit Nachdruck zur Wehr zu setzen wissen.

Natürlich ist der Aufruf des Bayerischen Hebammenlandesverbandes an uns weitergeleitet worden. Die bayerischen Vorsitzenden des DHV schreiben darin: „ Für die meisten anderen Positionen ist eine Vergütungserhöhung von ca. 17% vorgesehen. Das mag auf den ersten Blick viel anmuten, jedoch müssen Sie beachten, dass der Vertrag bis 2020 festgeschrieben werden soll. Wenn Sie dann noch bedenken, dass unsere letzte Erhöhung 2013 war, dienen die 17% gerade einmal für den Inflationsausgleich. Und das bei massiver Einschränkung der Beleghebammen!“

Die letzte Erhöhung war in der Tat im Jahre 2013.

Dies lag aber zum großen Teil an der Blockadepolitik des DHV in den zurückliegenden Verhandlungen.

Die vielen Jahre haben gezeigt: Wenn alles blockiert wird, kommen die Verhandlungen zu keinem Ende, die Erhöhungen bleiben aus.

Beispiel: Sicherstellungszuschlag. Er hat vielen Kolleginnen sehr geholfen, ihre berufliche Existenz als freiberufliche Hebammen zu sichern. Zu erinnern sei daran, dass der DHV dagegen vor Gericht gezogen ist.

Wir fordern eine Haftpflichtversicherung für alle, nicht ausschließlich für DHV-Mitglieder!

Wir fordern auch ein Miteinander und kein Gegeneinander!

Letztlich sei noch gesagt, dass wir auch viel Zustimmung über unser Vorgehen in der Schiedsstelle aus dem Kreise der Mitgliedsfrauen und auch darüber hinaus registrieren. Ob eine Kollegin im DHV als freiberufliche Hebamme besser aufgehoben ist, muss jede für sich selbst entscheiden. Wir freuen uns auf diejenigen Kolleginnen, die gute Arbeit machen und auch rechnen können und somit verstehen, dass die Beleggeburten wieder Spaß machen können und frau damit auch ihr Geld verdienen kann. Auf diese Kolleginnen freuen wir uns im BfHD!

*Es gibt natürlich noch viel mehr Gründe für sich selbst einzustehen. Ein paar konnte ich euch mit diesem Beitrag vielleicht näher bringen. 

Ein Gedanke zu „Guten Tag, wir sind unsere eigene Lobby“

  1. Guter Bericht!!!
    Leider habe ich als Hebamme nur die Wahl zwischen Pest & Cholera .
    Ich muss in einem Verband sein um versichert zu sein & um Arbeiten zu können .
    Das Schlimmste ist das jahrelange Geschwätz und die Spirale dreht sich immer schneller abwärts ..
    Hebamme Inge Buß
    Ehemaliges Geburtshaus am Ohlenbach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.