#mimimimi – Achtung! Einschränkung der Notfallversorgung betrifft Schwangere nicht

In Mecklenburg-Vorpommern beschwert sich Wolfgang Gagzow, der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft M-V e.V., über die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante bundesweite Einschränkung der Notfallversorgung. Der G-BA hat beschlossen, knapp 630 Kliniken in Sachen Notfallversorgung künftig den Hahn abzudrehen.
Das, so Wolfgang Gagzow im NDR MV, würde vor allem die Versorgung in den ländlichen Regionen schwächen. Die Besonderheiten von Flächenländern würden aus seiner Sicht nicht genug berücksichtigt und die Menschen müssten nun im Ernstfall längere Wege zurücklegen. Ach echt?!
#Mimimi fällt mir dazu nur noch ein.


Denn immer wenn es um die Schließung von Kreißsälen geht, sind die längeren Wege kein Problem. Der gleiche Wolfgang Gagzow wurde auf einigen Veranstaltungen, darunter auch eine Anhörung im Landtag (auf denen auch ich war) und in Interviews nicht müde zu beteuern, dass die Schwangeren und auch die Babys im Notfall gut versorgt sind. 
Rettungswagen, Hubschrauber… das ganze große Besteck steht bereit und wartet nur darauf eingesetzt zu werden. 

Was also für Schwangere recht und billig ist, scheint nun für alle anderen Menschen nicht zu gelten, Herr Gagzow?

Ein geburtshilflicher Notfall muss etwa in der gleichen Zeit wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall versorgt werden. Und, es stehen immer (!) zwei Leben gleichzeitig auf dem Spiel. 

Damit mich niemand falsch versteht: Die Einschränkung der Versorgung in der Fläche, aber auch in Ballungsgebieten mit sowieso schon überfüllten Notaufnahmen ist eine Katastrophe! Werdende Mütter sind davon jedoch nicht betroffen. Denn anders, als hin und wieder auch in M-V behauptet, können Frauen eben nicht im Notfall mal eben in jeder beliebigen Chirurgie um die Ecke einen Kaiserschnitt erhalten. Die Versorgung von Frauen und auch Kindern ist bereits drastisch eingeschränkt!

Jetzt aber, wo es an den eigenen Hinterhof geht, da wacht man scheinbar auch bei der Krankenhausgesellschaft auf. 
Denn während man oben noch am Tischtuch zerrte, haben Kassen und Bundesregierung mit ihren Zentralisierungsplänen den Ländern gepflegt den Stuhl unterm Hintern weggezogen. 

Meine Glückwünsche zu dieser Erkenntnis darf die Krankenhausgesellschaft M-V e.V. stellvertretend für alle anderen entgegen nehmen. Was wir wirklich brauchen, ist eine Reform der Krankenhausvergütung.  Und: Macht die privat geführte Klinik um die Ecke in Zukunft keine Gewinne mehr und muss gar noch Abschläge bezahlen, wird sie schließen, oder Hüften, Knie und andere Gelenke operieren (und zwar mehr als eigentlich notwendig). 
Wir müssen die Menschen bezahlen – nicht Aktionäre. Und wir sollten darauf achten, dass wir uns die Grundversorgung in eigene (öffentlich-rechtliche) Hände zurückholen.

(Michi)

Ein Gedanke zu „#mimimimi – Achtung! Einschränkung der Notfallversorgung betrifft Schwangere nicht“

  1. Man muss kein „Verschwörungs-Theoretiker“ und auch kein Prophet sein, um zu erkennen, wohin unsere aktuelle Gesundheits-Politik abzielt. Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe erklärt in einem Video, dass es in naher Zukunft nur noch ein paar wenige zertifizierte Zentren geben wird. Ob es uns gefällt, oder nicht! Genau darauf spekuliert auch der GKV-Spitzenverband! Werden diese Zentren dann auch noch privatisiert, muß kein Tarif-Lohn mehr gezahlt werden, Absprachen mit der weltweiten Pharma- und Gesundheitsmittel-Industrie werden vereinfacht, Massen-Entlassungen, um den Wert der (z.B. Fresenius-) Aktie zu steigern. Börsennotierte Konzerne sind NUR ihren Aktionären vepflichtet, nicht den Mitarbeitern. https://vimeo.com/135439885

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