Zukunft wird aus Wut gemacht

Wir sind wütend. Und wenn es dazu eine Steigerung gibt, dann sind wir das. Eine weitere Legislaturperiode liegt hinter uns, in der sich die Verhältnisse in der deutschen Geburtshilfe radikal verändert haben: Noch mehr Kreißsäle sind geschlossen. Noch mehr Hebammen haben ihren Job an den Nagel gehängt. Die Kaiserschnittrate beträgt mancherorts über 50 Prozent. Frauen unter der Geburt werden vom überlasteten Personal in überfüllten Kliniken abgewiesen. Gewalt unter der Geburt ist kein Einzelphänomen. Fragt man jedoch die Politik, dann wurde wahlweise “viel für Hebammen getan” oder ist die Geburtshilfe nirgends so sicher wie in Deutschland. Schaut man zur Opposition, dann müssen “Hebammen besser vergütet” und die “wohnortnahe Geburtshilfe” erhalten werden. Auch die Haftpflichtversicherung für Hebammen und die Vergütungsstruktur stehen dort zumindest im Ansatz auf dem Prüfstand. So weit. So schlecht. Wer folgt wann dem Ruf der Frauen nach einer selbstbestimmten Geburt? Wann werden wir gehört? Und zwar nicht nur im Kreißsaal während des Gebärens (Wobei allein das schon ein großer Schritt wäre!), sondern einfach im gesamten Prozess rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Wann werden Frauen, wann werden Eltern aktiv mit einbezogen wenn es um Versorgungsstrukturen geht – und das nicht nur als Feigenblatt für eine vermeintliche Bürgerbeteiligung im Vorfeld der Wahlen von der am Ende niemand mehr etwas wissen möchte? Wann wird die Expertise der gebärenden Frau wertgeschätzt und akzeptiert, dass wir eben keine planbaren Gebärmaschinen sind? Wir haben keine Antwort auf diese und weitere Fragen. Aber eine Vermutung: Es passiert nur, wenn wir laut genug sind. Wenn es uns Frauen gelingt, unseren Ruf heraus aus den Sozialen Medien auf die Straße zu tragen. Frauen, die damit noch nicht begonnen haben, sollten genau jetzt damit anfangen.

Mit der Aktion #zurückindieKreidezeit soll der Protest in den Straßen sichtbar gemacht werden. Mahnmale malen. Malt mit! Morgen geht es los. Schaut auf Facebook unter dem Hashtag oder nach der Gruppe #aufdenTischhauenfürHebammen.

Wir sind:

Michi Skott (Journalistin)
Christina Baris (Ärztin)
Katharina Hoff (Dozentin/ PhD Molecular Biology)
Julia Fertig (Bibliothekarin)

#zurückindieKreidezeit
#Mahnmalemalen
#Elternstimme

Guten Tag, wir sind unsere eigene Lobby

Zwei, nein drei Gründe, weshalb wir Frauen für uns selbst einstehen müssen*.

Grund 1: Der Deutsche Hebammenverband (DHV)
Grund 2: Der Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD)
Grund 3: Der Deutsche Fachverband Hausgeburtshilfe (DFH)

So weit. So provokativ. Ich weiß. Aber wer hier weiterlesen möchte, muss wissen, dass der folgende Beitrag lang wird. Richtig lang. Und, dass man das wirklich alles lesen m u s s, um es zu verstehen. Und, dass hinterher trotzdem noch viele Fragen offen bleiben.

Da hast du keine Lust drauf? Ok! Dann merk‘ dir einfach so, dass du dein Hirn nicht an der Kreißsaaltür abgeben darfst und jederzeit selbstbestimmt jedem Eingriff (Ja, jede Spritze, Zugang, Tablette etc. sind ein Eingriff!) zustimmen oder ihn auch ablehnen kannst. Fertig. Ach so, und noch etwas: Bei den kommenden Bundestagswahlen solltest du in deine Entscheidung mit einbeziehen, ob sich die Partei deiner Wahl für den Erhalt einer wohnortnahen Geburtshilfe und die freie Wahl des Geburtsortes einsetzt. Das kannst du in den Wahlprogrammen nachlesen, in den Wahlprüfsteinen des „Netzwerks der Elterninitiativen für Geburtskultur“ oder hier sogar Fragen stellen.

Du hast Lust auf lange Texte? Dann bitte hier entlang:
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It’s all about Macht, Baby

Vor einigen Tagen hatte ich die Ehre die Geburt einer Freundin im Kreißsaal zu begleiten. Vorweg: Für sie war es unbesehen ein großartiges Erlebnis. Gesund und gestärkt ging sie aus dieser Geburt hervor. Das sollte das Wichtigste sein, oder?
Doch genau darin liegt auch die Crux all jener, die sich für Veränderungen in der Geburtshilfe in Deutschland einsetzen: Viele Frauen, ich glaube sogar der weitaus größte Teil, finden es normal – so wie es ist. Kämpfen wir also für etwas, das niemand braucht?

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Tick Tack … Rufbereitschaft – ein Praxistest

Irgendwann ist immer das erste Mal. Für mich traf das für eine Rufbereitschaft zu. Ich habe einer aus Syrien geflüchteten Freundin versprochen, sie in den Kreißsaal zu begleiten. Einerseits weil sie Angst hatte, wie es wäre in Deutschland zu gebären. Andererseits weil ich Angst davor hatte, wie es sein kann in Deutschland zu entbinden. Noch dazu, wenn man überhaupt kein Deutsch, bzw. nur sehr wenig davon, spricht.  Meiner Freundin war wichtig, eine spontane Geburt zu erleben und möglichst ambulant wieder nach Hause gehen zu können. 

Nun hatte ich also Rufbereitschaft für die Geburtsbegleitung. Eine Haus- oder Beleggeburtshebamme, die das hätte übernehmen können, kam wegen der hohen Kosten, die damit verbunden sind und nicht alle von der Kasse übernommen werden, nicht in Frage. Außerdem ist es auch schwierig eine zu finden. Hier wie überall sind diese Hebammen äußerst rar und schnell ausgebucht.

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Selbstbestimmte Geburt als Grundrecht? Ein Neubeginn.

Am 24. Februar 2014 habe ich eine Petition beim Deutschen Bundestag mit folgendem Kurztext eingereicht:

„Der Deutsche Bundestag möge beschließen:
Das Recht auf die selbstbestimmte Geburt mit der freien Wahl des Geburtsortes sowie einer Geburtsbegleitung im Schlüssel von 1:1 durch eine Bezugshebamme ist ein Grundrecht. Im Zusammenhang mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit schafft der Gesetzgeber den rechtlichen Rahmen zur Ausübung dieses Rechtes. Dazu gehört neben der Sicherung des Berufsstandes der Hebammen auch die Neuordnung des Vergütungssystems in der Geburtshilfe.“

Vor einem Jahr, am 20. Juni, habe ich dazu vor dem Petitionsausschuss des Bundestages öffentlich Stellung genommen (hier zu sehen ab Min. 60).

Nun gab es vor wenigen Tagen erneut Post aus dem Bundestag:

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Heile heile Segen! Weshalb niemand die Hebammen retten muss (für Elif*)

„Hebammen retten“ ist in den vergangenen Jahren zu einer Art Volkssport mutiert. Mütter tun es, Väter auch, Hebammen sowieso. Aber auch Politiker*innen aller demokratischen Couleur haben das Thema für sich entdeckt. Schwangere oder Neugeborene kommen auf der Beliebtheitsskala gleich nach Katzencontent. „Wir haben es geschafft!“, ruft beispielsweise Hermann Gröhe in bester Merkel-Manier und lobt sich selbst für das Qualitätsmanagement bei Hausgeburten und den von ihm erfundenen Sicherstellungszuschlag für freiberufliche Hebammen mit wenigen Geburten. Heile heile Segen! Weshalb niemand die Hebammen retten muss (für Elif*) weiterlesen

„Klagt, ihr Weiber! Für das Recht auf freie Wahl des Geburtsortes“

Teile meiner Antworten könnten euch Frauen verunsichern

Seit dem 12. November gilt für Hebammen und gesetzliche Krankenversicherungen in der Hausgeburtshilfe ein neues Vertragswerk. Es wurde nicht untereinander ausgehandelt, sondern, da man sich nicht einigen konnte, per Schiedsstelle entschieden.

Hebammen, Krankenkassen… fehlt da nicht jemand? Die Frage scheint aus Sicht der Eltern durchaus berechtigt. Faktisch lässt sie sich leicht und schnell beantworten: Nein.

(Dieser Beitrag erschien erstmals am 2. Dezember 2015 bei der Huffington Post.)
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